Lena Richter: Feuer & Was einmal war

Lena Richter – Feuer & Was einmal war – 2 Kurzgeschichten
Sonderausgabe, 50 Exemplare
Leseheft, 11×17,6cm, 40 Seiten, Ach je Verlag 2019
„Wenn es nach ihnen ginge, würden sie die Alte Welt wieder aufbauen, mit ihren abgeschotteten Inseln für die Reichen, ihren Heeren und ihren Kriegsmaschinen. Und wir anderen könnten abkratzen.“
Der Letzte Krieg ist seit drei Generationen vorbei. Der junge Tarnik könnte in Frieden aufwachsen, doch etwas in ihm hat sich verändert. Als er zufällig eine verletzte Amazone findet, hofft er auf Antworten.
Feuer ist eine postapokalyptische Geschichte über Wut und Hoffnung.

„Die Mädchen in den Märchen machen mich wütend. Sie leiden sanft und hoffen und warten, bis der Prinz sie erlöst.“
Am Krankenbett ihrer Schwester schreibt eine junge Frau die Märchen ihrer Kindheit um.
Was einmal war ist eine Geschichte über Märchen, Verzweiflung und Rache.

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Zusätzliche Information

Gewicht 38 g

2 Bewertungen für Lena Richter: Feuer & Was einmal war

  1. Jonas Richter (Verifizierter Besitzer)

    Das Büchlein enthält auf 42 Seiten zwei Kurzgeschichten von Lena Richter (http://lenarichter.com/).

    Die erste Geschichte („Feuer“) ist etwas länger als die zweite („Was einmal war“), und mir persönlich hat sie auch etwas besser gefallen. Stark sind aber beide. „Was einmal war“ scheint die ältere der beiden Geschichten zu sein; es gibt sie auch in einer kostenlosen Onlineversion auf Lena Richters Homepage: http://lenarichter.com/kurzgeschichten/was-einmal-war/

    [Feuer] Von düster bis hoffend: Spannendes Ereignis und fantastisches Worldbuilding

    „Feuer“ ist eine kraftvolle Kurzgeschichte über Tarnik, einen Jugendlichen, der mit überwältigenden Wutanfällen kämpft, die er nicht kontrollieren kann. Um seine Väter und seine Schwester nicht zu verletzen, rennt er fort. Richter beschreibt uns ihren Protagonisten als jungen Menschen, der Geschichten liebt, dessen zerstörerische Wut ihm aber die Hoffnung nimmt, jemals ein geordnetes Leben in der Gemeinschaft zu führen.
    Tarniks Innenleben erfahren wir aus seiner eigenen Perspektive, und als Ich-Erzähler lässt er uns auch an der Begegnung teilhaben, die einen Wendepunkt für ihn darstellt und ihm neue Hoffnung gibt.
    Mir gefällt an der Geschichte besonders, wie Richter ihre postapokalyptische Welt entfaltet: Natürlich werden manche Aspekte einfach aus Tarniks Blickwinkel beschrieben und erklärt. Atmosphärisch wundervoll und gekonnt sind aber die Neologismen, die die Autorin in ihre Sätze flicht: Drohnenvögel, Glühstaub, Holospiele und weitere Ausdrücke durchsetzen die Geschichte und meistern den Balanceakt, das Beschriebene einerseits anschaulich und vorstellbar zu machen, andererseits aber auch fremd und fantastisch.

    [Was einmal war] Märchenhaftbarkeit?

    Die zweite Geschichte ist düsterer, bitterer als die erste. Auch sie ist in Ich-Perspektive verfasst. Die Protagonistin erzählt von und für ihre Schwester, die im Koma liegt, nachdem ein Mann sie im Anschluss an eine Party überfallen hat. Der Täter (stets als „die Bestie“ bezeichnet) wurde nie gefasst. Die Ich-Erzählerin reflektiert, dass die Protagonistinnen in Märchen sie wütend machen: schön, still, leidend, hilflos. Unselbständig. Und so sind in die Geschichte immer wieder neuerzählte Märchen und Mythen eingebaut, in denen die weibliche Hauptfigur zur aktiven Heldin wird.
    Die Haupthandlung jedoch bleibt trist. Die beinahe kühlen Worte kontrastieren mit der Trauer und der unterschwelligen Wut gegenüber der Welt, in der gewalttätige Monster ungestraft davonkommen und eine fortwährende Bedrohung darstellen. Während mir die Geschichte insgesamt etwas zu düster war, möchte ich die Umwandlungen der klassischen Märchen und griechischen Sagen loben: Mit wenigen Sätzen nur sind die Märchen angerissen, werden die Heldinnen aus ihrer passiven Rolle zu Handlungsträgerinnen ermächtigt und neue Schicksale gesponnen. Das ist wuchtig und einfach gut geschrieben.

    Da ich online Inhaltswarnungen für die beiden Geschichten finde (vorbildlich!), finde ich es schade, dass diese nicht auch im Buch und auf der Verlagshomepage aufgenommen sind.

    Die Druckfassung kommt als Leseheft mit Klammerbindung daher, Schrift und Layout sind (für meine ungeschulten Augen) ansprechend und angenehm. Es freut mich, dass kleine Verlage diese Arbeit leisten und mir helfen, meine Bücherregale zu bereichern.

    Klare Kauf- und Leseempfehlung!

    „Feuer“ gibt es auch als Ebook; Links dazu findest du unter queerwelten.de.
    Und wo wir schon bei der Seite sind: Das möchte ich mir jetzt genauer ansehen und gern die erste Ausgabe des Magazins kennenlernen, die aktuell noch in Arbeit ist.

    Queer*Welten hat außerdem noch bis zum 12.12.2019 eine sehr schöne Aktion laufen, bei der ihr gegen Nachweis einer wohltätigen Spende (egal wie hoch) an der Verlosung einer Reihe von Buchpaketen teilnehmt. In einem der Buchpakete ist auch der hier rezensierte Sonderdruck enthalten. Näheres dazu findet ihr hier: https://queerwelten.de/lasst-uns-hoffen/
    Macht mit!

    (Rezension auch unter https://asri.dreamwidth.org/3191.html veröffentlicht)

  2. Corina

    Das kleine Heftchen enthält zwei Kurzgeschichten, die beide völlig entgegengesetzte Stimmungen einfangen, wo die eine voller Hoffnung ist, wird bei der anderen jegliche Hoffnung zunichte gemacht. Aber der Reihe nach: „Feuer“ spielt in einer unbestimmten Zukunft in einer Welt, die durch einen Krieg zerstört wurde, an den sich kaum noch jemand erinnert. Wir begleiten den Jungen Tarnik, der auf eine Amazone trifft – eine Begegnung, die sein Weltbild gründlich verändern wird. Hier gefällt mir das Worldbuilding besonders gut, es gibt viele Dinge, die nur am Rande erwähnt werden, die neugierig darauf machen, diese Welt eingehender zu erkunden. Ich hoffe, dass die Autorin noch weitere Geschichten in dieser Welt schreibt. „Was einmal war“, ist von der Grundstimmung her ganz anders, wo „Feuer“ einen optimistischen Ausklang hat, endet „Was einmal war“ nicht auf diese Weise. Die zweite Geschichte sehr traurig, aber auch sehr berührend und konsequent, sehr atmosphärisch dicht geschrieben. Und von bedrückendem Realismus – diese Geschichte könnte sich tatsächlich so abspielen. Das verbindende Element beider Geschichten ist die Wut, die die jeweiligen Protagonisten empfinden, Wut auf die herrschenden Bedingungen, aber auch auf ihre eigene Ohnmacht. Zwei wirklich starke Texte, die zu lesen sich lohnt. Und das Format des Heftes ist auch überaus praktisch, man kann es überall mit hinnehmen, es passt in jede Tasche.

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