Die Künstlersozialkasse und wir

Januar ist Tantiemenüberweisezeit (eine der wenigen Dinge die einen Verlag Geld kosten und trotzdem schön sind) und unserer Autor*innen fragen sich jetzt garantiert gerade, was das mit der Künstlersozialkasse (KSK – nicht zu Verwechseln mit dem Kommando Spezialkräfte der Bundeswehr) zu tun hat, schließlich ist doch keiner unserer Autor*innen in der KSK. Das ist richtig und doch ist die KSK für uns als Verlag relevant: Wir müssen an sie zahlen.

Woah, da kommt sicher was zusammen

Der Ach je Verlag muss 4,2% der Brutto-Summen, die er für kreative Lesitungen in Anspruch genommen hat, an die KSK abführen. Unter kreative Leistungen fallen bei uns: Die Honorare und Tantiemen, die wir an Autor*innen gezahlt haben, die Honorare für Lektorate und auch die Honorare für Designleistungen (Covergestaltungen und Layouts bzw. Satzentwicklung) fallen darunter. Der Ach je Verlag (bzw. die Ach je’sche Verlagsanstalt oHG) zahlt aktuell für folgende Leistungen KSK:

  • Autor*innenhonorare und -tantiemen
  • Grafik- und Designleistungen
  • Lektorate

Auf alle diese Beträge führen wir also KSK ab. Und was soll ich sagen? Das ist gar nicht so viel. Auf 100 Euro kommen 4,2% Sozialabgaben, dabei ist es egal, ob die Auftragnehmer*innen in Deutschland, in der EU oder sonst irgendwo auf der Welt sitzen – auf die Nettobeträge der Dienstleistungen/Honorare werden diese 4,2% fällig (der Prozentsatz wird jedes Jahr neu fest gelegt).

Das ist doch voll unfair, wenn man für ALLE KSK zahlen muss

Manch eine Person mag das unfair finden – wir finden es fair. Wäre auf Dienstleistungen aus dem Ausland kein KSK-Beitrag fällig, würden doch diejenigen, die können nur noch im Ausland diese Dienstleistungen einkaufen und wir hätten hier ein Heer von Freelancer*innen, die keine Aufträge mehr bzw. noch weniger Aufträge hätten. Außerdem: Geht der Auftrag an eine GmbH, AG, UG, OHG oder KG fallen auch keine KSK Beiträge an, da der Gesetzgeber davon ausgeht, dass diese ihre Angestellten sozialversicherungspflichtig angestellt haben. Sind es Freelancer*innen, die für diese Gesellschaften arbeiten muss halt dieses Unternehmen die KSK-Beiträge abführen. Am Ende zahlt also jemand in die Künstlersozialkasse ein, wenn der Auftrag von Freelancer*innen bearbeitet wurde.

Muss ich jetzt für meine Visitenkarten KSK abdrücken?

Nein. Es gibt ein paar Definitionen ab wann Freigrenzengreifen, so dass dann doch keine KSK gezahlt werden muss. Im Zweifel fragt ihr einfach bei der KSK nach – das geht telefonisch und die Sachbearbeiter*innen sind kompetent und auskunftfreudig.

Cool, ich bin jetzt „Künstler“ und spare mir so Krankenkassenbeiträge

Ganz so einfach ist es nicht. Auch dafür gibt es Kriterien – gerade wenn man bereits sozialversicherungspflichtig beschäftigt war. Das steht alles auf der Seite der KSK. Ich kann alle, die mit Schreiben oder Grafik ihr Geld verdienen nur ermutigen, zu versuchen sich über die KSK zu versichern. Es ist oft ein langer komplizierter Weg, denn die KSK ist knallhart, was die Aufnahme betrifft, damit eben nicht jede Person, die mal einen Text geschrieben hat, ein Bild gemalt oder auf der Bühne gestanden hat sich darüber versichert obwohl sie eigentlich mit ganz anderer Arbeit das Geld verdient. Bei ablehnenden BEscheiden lohnt sich auch ein Anruf (der sich meistens sogar schon im Vorfeld lohnt) und wir drücken allen, die im Kreativsektor arbeiten und versuchen, sich über die KSK zu versichern die Daumen zur Aufnahme. Für Berufsanfänger*innen gestaltet sich das übrigens sehr viel einfacher.

Fazit

Auch wenn es nicht alle schaffen, die im Kreativsektor arbeiten, sich über die KSK zu versichern ist es doch ein großer Teil und wir zahlen gerne diese Beiträge, denn die KSK ist wie jede andere Sozialverischerung auch ein Solidarsystem. So wie Unternehmen versuchen, dass Arbeitnehmer*innebrutto zu drücken, um 3,50€ Krankenkassenbeiträge zu sparen im Endeffekt den Arbeitnehmer*innen schaden würden wir so den kreativ Arbeitenden schaden. So funktionieren Solidarsysteme aber nicht und alle Versuche, die KSK zu drücken oder gar nicht zu zahlen schaden unsererm sozialen Miteinander. Noch mehr soziale Kälte brauchen wir aber nicht.

Hinweis: Dieser Text ist keine Sozial- oder Rechtsberatung und gibt die Gesetzeslage teilweise nur aus Laiensicht wieder. Für verbindliche Auskünfte kontaktiere die KSK oder eine zugelassene Rechtsberatung.